Monatelang wurde über die flächendeckende Ausstattung bayerischer Behörden und Kommunen mit Microsoft 365 gestritten. Nun ist der zentrale Lizenzdeal offenbar vom Tisch. Statt eines gebündelten Rahmenvertrags setzt der Freistaat auf die Entwicklung eines eigenen, souveränen Arbeitsplatzes.

Vom Rabattvertrag zur Eigenentwicklung

Ursprünglich sollte das Finanzressort über die Bündelung von Lizenzverträgen einen Mengenrabatt mit Microsoft aushandeln. Nach einem offen ausgetragenen Streit innerhalb der Landesregierung wurden diese Pläne fallen gelassen. Stattdessen soll das Digitalministerium nun unterschiedliche Softwarelösungen aus Deutschland im Alltagsbetrieb auf ihre Eignung für Behördenarbeitsplätze prüfen.

Hintergrund: die Modernisierungsagenda

Treiber der Kehrtwende ist ein Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz: Bis spätestens 31. März 2027 sollen an Verwaltungsarbeitsplätzen digital souveräne Alternativen zu proprietärer Software bereitstehen. Kritiker verweisen zudem auf stark gestiegene Kosten – die Ausgaben für Microsoft-Lizenzen sollen sich in Bayern zwischen 2020 und 2025 um mehr als 60 Prozent erhöht haben, von rund 30 auf knapp 50 Millionen Euro.

Schrittweiser Umstieg geplant

Geplant ist ein modular aufgebauter Basisarbeitsplatz, der nach und nach erweitert werden kann. Berücksichtigt werden sollen sowohl Angebote vom Markt als auch öffentlich entwickelte Lösungen. „Wir müssen unsere Behörden unabhängiger von Anbietern machen, die unserer Verwaltung im Zweifel den Stecker ziehen könnten", wird der zuständige Digitalminister sinngemäß zitiert. Der souveräne Arbeitsplatz soll perspektivisch zur Blaupause für einen breiteren Umstieg werden.

Einordnung

Digitale Souveränität ist längst keine reine Bundes- oder Landesfrage mehr. Auch mittelständische Unternehmen profitieren davon, kritische Abhängigkeiten zu reduzieren – etwa durch lokal betriebene KI und Software, deren Daten im eigenen Haus bleiben und nicht bei Anbietern jenseits des eigenen Einflussbereichs.